Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne!
Liebe Leserinnen und Leser,
lassen sie sich verzaubern! Lassen sie sich hinreißen Neues zu beginnen und Altes aufzugeben. Es lohnt sich.
Meistens nach einer Zäsur, wie die Jahreswende eine ist, bilanzieren wir über das Vergangene und das auf uns zukünftig Kommende. Dabei entdecken wir stetig die Veränderungen. Im jugendlichen Alter sehnt man sich nach derartigen Abwechslungen, nach Neuem und Interessantem. Wohl kann es aber sein, dass aus einer solchen jugendlichen Neugierde irgendwann eine Bürde wird, mit der sich ständig verändernden Umwelt und dem eigenen Leben Schritt zu halten.
In sehr charmanter und leichter Weise beschreibt Hermann Hesse in seinem bekannten Gedicht „Stufen“ diese unaufhörlichen „neuen Anfänge“.
Die Zeilen von Hesse ermuntern uns: Bleibt in Bewegung! Das Leben geht immerzu weiter und bringt Neues hervor. Das muss so sein und das ist vor allem auch gut so. Neuanfänge bereichern das Leben und halten für uns so „einen Zauber“ bereit: neuer Schwung wird in die alltäglich gewordenen Abläufe gebracht; mit Spannung und Aufregung sehen wir auf das Neue – ob es uns denn gelingen oder unser Leben bereichern wird. Neue Energie zum Leben wird freigesetzt entgegen Trübsinn und Alltagsträgheit.
Veränderungen und Neuanfänge wird das Jahr 2012 für Sie persönlich, die Johannes-Kirchen-
gemeinde und auch mich wohl bereithalten. Die neue Leitung der Gemeinde wurde gewählt
und stellt sich in diesem Gemeindebrief vor. In Zeiten von Neuorientierung und Neugestaltung werden die gewählten Presbyterinnen und Presbyter den Blick und den Schritt nach vorn richten und auf vielen Gebieten der Gemeindearbeit Neuland betreten.
Wiederkehrend und doch immer wieder neu gestaltet zeigt sich das Gemeindeleben mit seiner Vielzahl von interessanten Gruppen. Mit Freude werden hier besonders neue Teilnehmer und Teilnehmerinnen begrüßt, weil sie sich selbst und die Gruppe damit bereichern. Vielleicht haben auch Sie Lust, neu zu diesen Gruppen hinzuzustoßen?
Auch ich blicke auf einen Neuanfang: Nach über 2 Jahren kirchlichen Dienstes in der Paulus- und der Johanneskirchengemeinde werde ich im Kirchenkreis Moers ein neues Arbeitsfeld aufnehmen. Ich freue mich auf die vielen neuen Begegnungen, Eindrücke und Heraus-forderungen, die auf mich zukommen werden. Mit jedem Neuanfang, den wir wagen, wird uns etwas von dem „Zauber“ begegnen, von dem Hesse spricht.
Und doch hat mancher Neuanfang auch einen bitteren Beigeschmack. Nicht alle Anfänge sind für uns berauschend. Häufig muss eine Menge Kraft aufgebracht werden, ohne dass wir wissen können, ob es für uns gut ausgehen wird. Ein Neuanfang bedeutet auch Altbekanntes und Liebgewordenes zurückzulassen. Ein Start in´s Ungewisse kann eben auch bedrückend sein.
Kann ein Zauber auch dort entdeckt werden? Wenn wir an die vielen Geschichten Gottes mit den Menschen denken, dann stellen wir schnell fest, dass Gottes Wege nicht die geradlinigen und konstanten sind. Ständig mussten sich die Gläubigen auf neue Lebenssituationen einlassen, die wenig Zauberhaftes, sondern eher Bedrückendes bereit hielten. Die Psalmen berichten von so mancher Klage über einen schweren Lebensweg. Umso bewegender ist es, dass Menschen gerade in tiefen Umbruchsituationen Gottes Leitung und seinen Segen deutlich gespürt haben. Und sie haben verstanden: Es ist Gott selbst, das Neue bringt.
Durch Jesaja spricht Gott mutmachende Worte: Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr's denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.“ (Jes. 43,19)
Lassen Sie uns Neues wagen und Altes zurücklassen. Dabei halten wir nicht den Blick auf uns gerichtet, sondern auf Gott, der unseren Lebensweg mit Neuem bereichern will. Kann das nicht eine zauberhafte Aussicht auf das Jahr 2012 sein?
