2 - Das Krankenabendmahl

Mit guten Gefühlen komme ich nach Hause. Wieder hat jemand den Mut gehabt, um das Abendmahl am Krankenbett zu bitten, das er im Gottesdienst der Gemeinde seines hohen Alters und der damit verbundenen Gehschwächen wegen nicht mehr feiern kann. In seiner Freude über diese Möglichkeit hat er sogar seine Freunde und Nachbarn eingeladen - wir waren elf Leute im kleinen Wohnzimmer! Und wir haben den Zuspruch der Gegenwart Gottes fröhlich gefeiert. Wir haben uns über Gottes Wort gefreut, das über alle Grenzen der Angst, der Schwäche und der Schuld hinweg sagt: "Siehe, ich bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt."

Vor 32 Jahren, als ich in der norddeutschen Gemeinde anfing zu arbeiten, kam das noch sehr viel öfter vor, daß wir Pastoren zu alten Menschen an ein Kranken- oder auch Sterbebett in die Häuser oder ins Krankenhaus gerufen wurden, um das Abendmahl zu feiern in der Familie oder auch allein. Heute ist das selten geworden. Warum eigentlich?

Vermutlich nicht des geschwundenen Glaubens wegen, sondern wohl eher, weil in unserer Gesellschaft der junge, dynamische, funktionsfähige, agile, starke ... Mensch eine so große Rolle spielt. Da wagt einer, der das alles nicht mehr ist oder im Augenblick nicht ist, gar nicht, seiner Sehnsucht sichtbaren Ausdruck zu verleihen, in seiner Gebrechlichkeit nicht fallengelassen und aufgegeben zu werden. Schade. Vor Gott können wir es uns leisten, schwach zu sein.

Wir brauchen gerade, wenn wir schwach sind, die Gewißheit: "Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag." (D. Bonhoeffer)

Und wir wissen das hoffentlich nicht erst am Ende des Lebens: Brot und Wein als Zeichen der Liebe und der Nähe Gottes, "für dich gegeben", öffnen uns "den Himmel" und lassen uns spüren: Gott meint es gut mit uns. Das ist Wegzehrung schon für dieses und dann auch für das ewige Leben.

Fr. Lunde