2 - Liebe Gemeinde!

Mein Name ist Claus Clausen, und ich bin seit Anfang April als Pfarrer zur Anstellung (früher sagte man "Hilfsprediger") Mitglied des Mitarbeiterteams der Johannesgemeinde. Ich möchte mich kurz vorstellen:

Geboren 1958 in Mülheim/Ruhr nahm ich seit dem Konfirmandenunterricht immer bewußter und intensiver am Leben meiner Heimatgemeinde teil, insbesondere als Mitarbeiter in der kirchlichen Jugendarbeit. Aus diesem Engagement entstand der Wunsch, Theologie zu studieren. Nach dem Abitur (1977) studierte ich zunächst an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal, wo ich den Beginn der Diskussion um eine Neubestimmung des Verhältnisses zwischen Kirche und Israel miterlebte und auch begann, die ökumenische Dimension der Kirche wahrzunehmen. Das Studium wurde in Göttingen fortgesetzt und führte mich schließlich nach Schottland, wo ich auch 1983 mein Examen ablegte ("Bachelor of Divinity"). Dort hatte ich nämlich meine zukünftige Frau kennengelernt. Mari Margaret (aus Nashville/Tennessee) und ich heirateten 1983 in Edinburgh, und ich wurde von der reformierten Church of Scotland als Pfarramtskandidat übernommen.

Auf das Examen folgte zunächst der Zivildienst, den ich in einem von den schottischen Kirchen gegründeten Friedenszentrum ableisten durfte, was eine äußerst bereichernde Erfahrung war. Daran schloß sich dann das Vikariat in Edingburgh an. 1986 trat ich eine Pfarrstelle in Hamilton, südlich von Glasgow an. Hamilton ist ein kleines Städtchen, wo aufgrund der Schließung mehrerer Stahlwerke große Arbeitslosigkeit herrscht und wo besonders viele junge Menschen ohne Zukunftsperspektiven in den Tag hinein leben.

Unsere Kirche, "Trinity Church", unternahm den schwierigen Versuch, durch Verkündigung und diakonisches Handeln auf die dringenden Bedürfnisse der Menschen in unserer Gemeinde einzugehen. So entstand zum Beispiel ein Cafe in den Gemeinderäumen, das jeden Tag geöffnet ist, einigen Menschen Arbeit bietet und anderen Menschen einen gemütlichen Treffpunkt bereitstellt. Wir gründeten auch eine Art Nachbarschaftsbank, die Auswege aus finanziellen Schwierigkeiten eröffnen sollte. Durch diese und ähnliche Initiativen bemühte sich die Kirche, ein glaubwürdiges Zeugnis von der Menschenfreundlichkeit Gottes abzulegen.

Nach sieben Jahren in Hamilton und insgesamt zwölf Jahren in Schottland, während derer auch unsere Kinder Hannah (1987) und Tobias (1989) zur Welt gekommen waren, und in denen wir Land und Menschen kennen- und liebengelernt hatten, entschlossen wir uns dazu, eine Studienphase einzulegen. Ein Promotionsstudium in Heidelberg sollte neue Impulse vermitteln. Zugleich ermöglichte der Umzug nach Deutschland eine bessere Pflege der Kontakte mit dem deutschen Teil unserer Familie. Mein Studium zu Fragen der Schöpfungstheologie (auch im Blick auf die ökologischen Gefährdungen unserer Mitwelt) kam im Februar diesen Jahres zu einem zufriedenstellenden Abschluß, und nun freuen wir uns darauf, am Gemeindeleben der Johannesgemeinde aktiv teilzunehmen, mit der Zeit viele von Ihnen persönlich kennenzulernen, einige unserer Erfahrungen einzubringen und gemeinsam mit Ihnen Gott in unseren Gottesdiensten und in unserem Handeln zu loben. Menschen und Gemeinden wandeln sich, wenn sie mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden. In allem Wandel dürfen wir als Gemeinde und als Individuen darauf vertrauen, daß Gott uns liebevoll und treu begleitet, so daß auch wir ihm in all unseren Metamorphosen treu bleiben können.

Claus Clausen