2 - Zum Lobe Gottes und zur eigenen Freude musiziert COURANTE - ADAGIO - ALLEGRO

Mit diesen drei Sätzen aus der B-Dur-Sonate von Händel kündigte Frau Wellmann ihren Abschied an.

Die Sopranninoflöte - eine "Busenfreundin" der Kantorin - kennzeichnete lebhaft den ersten Satz und im übertragenen Sinne den Beginn hier in Kreuznach im Gemeindezentrum an der Lessingstraße (1963). Leicht und unbeschwert nimmt sie die ihr gestellten Aufgaben wahr. In Jugendsingkreisen waren wir alle irgendwann einmal, die wir uns als jüngere Erwachsene mit unserer jungen Chorleiterin zusammengefunden hatten. Die Lust am Singen hatten wir mitgebracht. Frau Wellmann war es gegeben, uns auch mit anspruchsvollerem Liedgut vertraut zu machen, wobei sie der polyphonen Musik den Vorzug gab.

Manchmal wurden die am Anfang ungeliebtesten Stücke unsere "Favoriten". Nur einmal haben wir, wenn ich mich recht erinnere, einen Satz ganz abgelehnt - bin mir aber im Nachhinein nicht sicher, ob sie ihn uns nicht doch viel später noch einmal "untergejubelt" hat. Zum Singkreis gesellte sich 1968 der Kinderchor, den Frau Wellmann mit ganz besonderem pädagogischen Geschick viele Jahre hindurch zur Freude der Gemeinde leitete. Ein Orff-lnstrumentarium bereichert die musikalische Kreativität der Kinder. COURANTE ... es läuft alles zur Zufriedenheit.

ADAGIO ... der langsame Satz - er steht in unserem Chorleben für Beständigkeit und Zuverlässigkeit. Die Bezeichnung Singkreis behalten wir auch im gesetzteren Alter - sowohl an Chor- als auch an Lebensjahren - als Charakteristikum bei. Ein Kirchenchor wollten wir nicht werden, so manifestiert wollten wir unsere eigene "Spießbürgerlichkeit" nicht sehen. Auch eine gewisse Flexibilität hofften wir uns zu erhalten. Wir haben mit unserem Chor zu den verschiedensten Anlässen gesungen, wobei das Singen im Gottesdienst stets Vorrang hatte. Die Liedsätze von Herrn Wellmann haben uns nicht immer ganz gelegen. Zu modern oder zu schwierig. Da war ein gängiger Bach-Satz geradezu eine Erholung.

So viel hatten wir schon gelernt! Inzwischen ist uns auch die Wellmann'sche Komponierweise vertraut und lieb geworden. Rein homophone Sätze wurden nur zum Ausruhen eingeübt. Um ein gewisses Niveau zu erhalten, waren uns Damen und Herren sowie der Chorleiterin auch mühevolle Einlagen nicht erspart geblieben.

Gott gab uns einen langen Atem bei den Fermaten - und bei den Proben der Männer - verzeiht, wir Frauen lernten manchmal schneller. Auch an eigene kleine Konzerte kann ich mich erinnern. Höhepunkte für uns waren jedoch das gelegentliche Mitsingen in der Kantorei z. B. in Chören des Weihnachtsoratiums. So ergänzten sich Herr und Frau Wellmann in einer auch für uns positiven Weise. Öfter sind uns besonders gute Darbietungen gelungen, immer haben wir mit Engagement und Freude gesungen!

Von ihren Reisen in andere Gemeinden zu ausländischem Kulturgut hat Frau Wellmann uns lebendig erzählt. Hat uns teilhaben lassen an Kunsterlebnissen, hat ganz einfach versucht, ihre Begeisterungsfähigkeit für die Schönheiten unserer "Umgebung" weiterzugeben. Unsere jährlichen Chorausflüge machten wir meist in Gegenden, die sie vorher schon mit ihrem Mann erkundet hatte. Mit Frau Wellmann hatten wir das Glück, einem Menschen zu begegnen, der in der guten Gemeinschaft des Chores auch ein Stück Gemeindearbeit sieht. U.a. sind die Singkreismitglieder eifrige Helfer im Gemeindetreff.

ALLEGRO ... so eilt die Zeit immer schneller dem Ende entgegen. Jedoch auch fröhlich bewegt nach einem so langen Berufsleben. Im letzten Satz der Händel'schen Sonate setzen die eingestreuten Triller noch einmal Glanzpunkte und heben die Leichtigkeit des Abschieds hervor.

Alles Ding währt seine Zeit... für uns als Chor war es eine gelungene gemeinsame Wegstrecke, ... Gottes Lieb in Ewigkeit. Unsere Liebe zur Gemeinde soll nicht verloren sein. Wir vom Singkreis wünschen uns, daß sich auch in Zukunft wieder jüngere Gemeindeglieder finden, die Freude am gemeinsamen Singen haben. Frau Wellmann danken wir für ihre umsichtige Chorleitung und dafür, daß sie uns die Musik mit neuen Gestaltungsideen lebendig erhalten hat. Wir wünschen ihr viel Freude im Ruhestand, aber con moto - bewegt!

Ursula Spieß