Journalistentraining beim Medienverband der Kirche – Teil 2: "Ihr habt jetzt fast einen Generalschlüssel!"
Im vorletzten Gemeindebrief habe ich von dem Projekt "News4U" vom Medienverband der evangelischen Kirche im Rheinland berichtet. Das ist ein Nachwuchsjournalistentraining für zwölf Jugendliche aus dem Rheinland, die in mehreren Wochenendseminaren Grundkenntnisse in Print, Hörfunk, Fernseh und Onlinejournalismus erlangen konnten. Ich hatte von April bis August die Möglichkeit, an diesem Projekt teilzunehmen.
Im Mai fanden kurz nach einander das Online- und das Fernseh- Wochenende statt. Trotz mangelhafter Internetverbindung haben wir eine komplette Website namens "Klaus-Dieter" hergestellt, die später zum Internetauftritt des Jugendcamps in Moers wurde. Ein Onlinejournalist muss von allem etwas können: er muss Artikel schreiben und Fotos machen können, aber auch Audiobeiträge und kurze Videos werden im Internet immer beliebter. Das Internet ist schnelllebiger als Zeitungen. Wenn etwas passiert, muss ein paar Minuten später darüber berichtet werden, der Stress ist dementsprechend groß.
Gleich am nächsten Wochenende lernten wir die Produktion für’s Fernsehen kennen. Nach theoretischen Einführungen über Kameraperspektiven, Schnitt und Bildwirkung bekamen wir die Aufgabe, ein Fernsehmagazin über Düsseldorf mit vier Beiträgen und Moderation herzustellen. Eine schwierige Aufgabe, die wir jeweils zu dritt bearbeiten mussten.
Am Samstagmorgen trafen wir uns mit den beiden Kameramännern und machten uns auf zu den Drehorten. Hier berichteten wir über eine Fahrradmesse. Unser Kameramann fing die Bilder ein, die wir ihm vorgaben und half uns mit vielen nützlichen Tipps weiter.
Am Nachmittag ging es mit den 30 Minuten Material zum Sichten, denn nur zwei Minuten davon durften übrig bleiben. Nach dem Sichten dann ab in den Schnitt, der dank des Technikers nur knapp drei Stunden dauerte. Ein paar von uns waren noch bis nach Mitternacht mit Texten beschäftigt. Trotzdem mussten wir am nächsten Morgen wieder halbwegs fit sein, schließlich sollten die Moderationen noch aufgezeichnet werden. Zwei aus der Gruppe führten als Moderatorenteam durch die Sendung und moderierten die Beiträge an, andere spielten Kameramann mit den großen Studiokameras und wiederum andere saßen im Regieraum und starteten die Filmbeiträge (MAZen) oder regelten den Ton. Unser Techniker koordinierte alles. Herausgekommen ist eine interessante Sendung, der man gar nicht ansieht, dass so viel Arbeit dahintersteckt.
Nach dem letzten Wochenende wurde die Gruppe in Print/Online, Radio und Fernsehen aufgeteilt, damit wir uns beim Jugendcamp in Moers auf unseren Bereich spezialisieren konnten. Ich war in der Print/ Online-Gruppe. Auf dem Jugendcamp hatten sich fast 4000 Jugendliche aus dem Rheinland und aus aller Welt getroffen und fünf Tage lang miteinander eine Art Kirchentag im Kleinen gefeiert. Wir von "News 4U" waren für die komplette Berichterstattung verantwortlich. Teilweise begann die Arbeit in der Redaktion morgens um zehn Uhr mit einer Redaktionssitzung und das Ende des "Arbeits-"Tages war meist nicht vor 22 Uhr.Harte Arbeit, aber sie hat sich auf jeden Fall gelohnt. Unsere Artikel sind auf der offiziellen Homepage des Camps zu finden gewesen und wir hatten auch die Möglichkeit, nebenbei kleinere Artikel für die Rheinische Post und den Evangelischen Pressedienst zu schreiben, die auch veröffentlicht wurden. Wir haben gelernt, unter realtitätsnahen Bedingungen zu arbeiten.
In den Sommerferien habe ich im Rahmen von "News4U" ein dreiwöchiges Praktikum bei der Rheinischen Post in Düsseldorf absolviert. Ich war in der Lokalredaktion, wo ich bergeweise Meldungen und auch kleinere Artikel schreiben konnnte, die abgedruckt wurden. Leider war die Redaktion aus Urlaubsgründen mit zu vielen Praktikanten überbelastet, sodass häufig doch zu wenig zu tun war. Trotzdem war das Praktikum auf jeden Fall eine Bereicherung, da ich einen Einblick in den Redaktionsalltag einer recht großen Tageszeitung erhalten habe.
Ende August stand noch das Abschluss- und Auswertungswochenende an. Zusammen mit den Veranstaltern haben wir besprochen, was uns gefallen hat und wo es Verbesserungsvorschläge gab. Außerdem wurden uns Ausblicke gegeben, wie unsere spätere berufliche Laufbahn aussehen könnte, wenn wir uns wirklich entscheiden sollten, in den Journalismus zu gehen.
Durch das Projekt haben wir viel gelernt, wir müssten es jetzt nur noch vertiefen. Jemand verglich das mit einer Art Generalschlüssel, der überall passt und den wir nur noch benutzen müssen. Ich selbst weiß noch nicht genau, ob ich später wirklich im jouralistischen Bereich arbeiten möchte.
louisa Manz