AN(GE)DACHT - Zur Konfirmation

Bald ist es wieder soweit: in unserer Gemeinde werden die Jugendlichen, die eineinhalb Jahre den Konfirmandenunterricht besucht haben, konfirmiert. Ein besonderer Tag ist das für sie und für die Eltern. Und wie geht es dann weiter? Wir wünschen uns natürlich, dass die Jugendlichen etwas Gutes mitnehmen konnten aus der gemeinsamen Zeit. Vielleicht gehen sie nicht mehr so regelmäßig zur Kirche (ausschlafen ist doch zu verlockend), aber wenigsten hin und wieder einmal zu Jugendgottesdiensten oder zusammen mit ihren Eltern zu einem Sunday Special.
Was sie bestimmt mitnehmen, das ist ihr Konfirmationsspruch. Heute dürfen sich Konfirmandinnen und Konfirmanden ihren Spruch selbst aussuchen: möglichst nicht den kürzesten, sondern den besten und schönsten Spruch, der, der ihnen am besten gefällt. Lange Jahre habe ich gedacht: Die haben es heute gut, dass sie den Spruch auswählen dürfen, der sie durch ihr Leben begleitet.
Sie verstehen ihn dann wenigstens (vor der Konfirmation sprechen wir darüber). Ich durfte mir meinen Spruch nicht selbst aussuchen – mein Pfarrer gab ihn mir, und ich habe ihn nicht gemocht. Es ist ein Vers aus dem Hebräerbrief (13,9): „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade.“ Ein festes Herz ! Ich habe mir ein starres Herz vorgestellt, eines, das sich durch nichts bewegen lässt. Dazu einen Kopf, der keine Einsicht zeigen kann, der starr an einmal gefassten Meinungen festhält, ich habe mich über einen solchen Spruch gewundert.
Erst spät habe ich mich mit meinem Konfirmationsspruch anfreunden können und verstanden, dass der Pfarrer, der mich konfirmiert hat, mir etwas Gutes mitgeben wollte: Einen Vers, der schon von seinem Inhalt her das ist, was er auch seinem Sinn nach sein sollte: Eine Richtschnur, ein Kompass für das Leben. Ein festes Herz gleich ein fester Glaube, so hat er das möglicherweise gemeint. Dieses Herz, so heißt es, ist ein Geschenk; durch Gnade geschieht es, dass es ein festes wird. Heute weiß ich, dass damit nicht ein erstarrtes Herz gemeint
ist, wie in dem Märchen vom steinernen Herzen. Gemeint ist ein Herz, das sich darauf verlässt, dass Gott es gut mit ihm meint, dass er da sein will für uns. Die Freundlichkeit Gottes, die sich in Jesus Christus uns zugewendet hat: Wenn es das ist, was ein Konfirmand, eine Konfirmandin gelernt hat und für sein oder ihr Leben annehmen kann, dann ist es gut.
Irmhild Brehm