"Mit Mio durch die Nacht"

"Ich trat einen Schritt und trat ins Leere. [...] Ich hatte Angst, und es gab keine Hilfe.[...] Plötzlich ging jemand auf der Treppe.[...] Er flüsterte mir etwas zu. Ja, ja, nimm meine Hand, dann werde ich dir helfen, flüsterte der, den ich für Jum-Jum hielt. Nimm meine Hand. Aber es war keine Hand. Es war eine Kalue aus Eisen."

Laute Musik setzt ein und alle im Raum zucken zusammen, ansonsten zeigt sich eine große Bewegung, denn vor Spannung hören alle gebannt zu: Unser Held Mio begegnet gerade seinem größten Feind, dem bösen Ritter Cato. Sein bester freund Jum-Jum ist verschwunden. Jetzt ist er ganz allein und hält Ritter Catos eiserne Klaue fest in seiner Hand, Wie wird es weitergehen...?

Das alles konnten wir am 17. Februar 2006 erleben, denn wir befanden uns mitten in der Vorlesenacht mir Musik im Gemeindehaus. In einer einzigen Nacht wollten wir das ganze Kinderbuch "Mio, mein Mio" von astrid Lindren vorlesen, und man darf wirklich sagen, dass es uns gelungen ist. 27 Kinder lagen auf ihren Luftmatratzen, eingekuschelt in Decken und Schlafsäcke, manche mit dem Kuscheltier im Arm und lauschten gespannt Mios Abenteuern. Wenige waren schon in einem anderen Land, einem Traumland, vielleicht sogar im Land der Ferne. In den Pausen gab es dann Zeit für etwas Bewegung und einen kleinen Imbiss.

Beteiligt an diesem Abend, der Nacht und dem Morgen waren zehn Mitarbeitende der Kinder- und Jugendarbeit der Gemeinde, davon als Vorleser Sebastian Hofäcker, Beatrix Hess, Manuela Kohler, Louiosa Manz und Birgit Stubenbordt, aber auch Christoph Georgii hat einen sehr wichtigen Beitrag dazu geleistet. Er hat uns mit seiner extra komponierten Musik in ein Land in weiter ferne entführt, uns auf dem Kalvier und der Melodika gezeigt, wie es ist, auf weißen Pferden über grüne Wiesen und durch dunkle Wälder zu reiten, mit seinem besteb Freund durch die Gegend zu streifen und Flöte zu spielen und wie es ist, wenn man plötzlich einen Vater hat, der einen viele Jahre lang vermisst und  einen so sehr liebte, wie man es noch nie in seinem bisherigen Leben erfahren durfte. Aber wir haben dabei auch gelernt, wie es ist Angst vor dem bösen Ritter Cato zu haben.

Auf diese Weise war es möglich, die schöne Geschichte vollkommen neu kennen zu lernen, auch wenn man sie selbst schon oft gelesen hatte. Die Spannung war sogar noch größer. Das galt nicht nur für die Kinder, sondern genauso auch für die MitarbeiterInnen. Nach dieser tollen Nacht lässt sich nur hoffen, dass es in Zukunft bald wieder die Möglichkeit gibt, eine solche Aktion für Kinder anbiten zu können.

(Louisa Manz)