
Zur Einweihung der Johanneskirche in Bad Kreuznach
Diese Festschrift erscheint zur Einweihung der Johanneskirche. Sie will alle ihre Gemeindeglieder grüßen, ein Zeichen enger Verbundenheit untereinander aufrichten und zur frohen Dankbarkeit und Freude helfen.
Das Gotteshaus ist aufgerichtet und vollendet. Die Johannes-Kirchengemeinde hat eine neue eigene Kirche, in der sie sich von nun an zum Gottesdienst zusammenfinden soll, damit, wie Martin Luther sagt "unser lieber Herr selbst mit uns darinnen rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang".
Das gnädige Tun unseres Gottes vollzieht sich zu einem entscheidenden Teil innerhalb seiner Gemeinde. Damit sie Raum hat, sich zu versammeln, wurde diese Kirche erbaut. Gott möchte uns als lebendige Steine in diesen Bau einfügen. Er tut das durch sein Wort, durch das er uns seine Liebe sagt und uns ständig einweist auf einen Lebensweg, der zwar mitten durch das Labyrinth dieser Welt führt, auf dem wir aber seiner gnädigen Hand niemals entgleiten. Er tut das weiter durch die Sakramente der Taufe und des Abendmahls, durch die er uns den Zugang zum ewigen Heil schenkt, um uns zu solchen lebendigen Steinen zu machen, die er brauchen will.
Mögen viele davon Gebrauch machen und sich in diesem Hause unter Gottes Wort und Sakrament aufrichten lassen, um wieder hinauszugehen in den Alltag als Menschen, die den Herrn an ihrer Seite wissen.
Bei diesem festlichen Anlaß erinnern wir uns als Kirchenkreis gern des Apostelwortes aus 1. Korinther 12 Vers 26 b: "So ein Glied wird herrlich gehalten, so freuen sich alle Glieder mit." Es ist eine Freude für uns alle im Kirchenkreis, daß wiederum eine neue evangelische Kirche in unserer Mitte gebaut worden ist. An dem Ergehen der einen Gemeinde nehmen die anderen herzlich Anteil. Was die eine erhebt, trägt die andere mit empor. So ist die Freude dieses Tages nicht allein auf die Johannes-Kirchengemeinde beschränkt, sie wird von unserem ganzen Kirchenkreis mitempfunden.
Gutzen, Superintendent
Grußwort 1
Mit dem Neubau der Johannes-Kirche hat sich die Johannes-Kirchengemeinde inmitten eines vorbildlichen Gemeindezentrums eine würdige Versammlungsstätte für ihre Gläubigen geschaffen.
Zu diesem neuen Gotteshaus, für das eine lebendige Gemeinde beachtliche Opfer gebracht hat, darf ich an dieser Stelle auch gleichzeitig im Namen der übrigen Organe des Kreises Kreuznach die besten Segenswünsche übermitteln. Es ist richtig und kann zutreffender nicht formuliert werden, wenn es in einer kirchlichen Mitteilung heißt, daß die Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden auch Raum haben muß in dieser Welt, einen Raum, der ihrem Wesen entspricht, in dem man sich kennt und in dem die vom Geiste Gottes gewirkte Gemeinschaft Gestalt gewinnt.
Möge die neue Kirche das äußere Zeichen dafür sein, daß hier treues und echt christliches Gemeinschaftsleben seine Pflegestätte gefunden hat, von der zu allen Zeiten ihres Bestehens Kräfte ausstrahlen und Einfluß nehmen möchten auf den Weg des Einzelnen in dieser Welt, aber auch zur Besinnung führen wollen, daß nicht im materiellen Wohlstand, sondern im Glauben an Gott die seelischen Bedürfnisse ihre wahre Befriedigung finden. Die Namensgebung für die Kirche durch die Beziehung auf die biblische Gestalt des Johannes mag hier besondere Verpflichtung und Aufgabe sein.
Der Staat und die Gemeinde erkennen das Geschaffene dankbar an, denn Menschen, die sich als Christen ihrer Verantwortung vor Gott bewußt sind, werden auch die weltlichen Gemeinschaftsaufgaben in richtiger Weise erfüllen.
gez. Gräf
Landrat des Kreises Kreuznach
Grußwort 2
Das neue Gotteshaus im Süden der Stadt, die Johanneskirche, kann nunmehr seiner Bestimmung übergeben werden. Das Bild des neuen Stadtteiles findet mit den Kirchbauten seine charakteristische Abrundung.
Zweifellos können wir in den letzten Jahren und Jahrzehnten beachtliche Aufbauleistungen aufweisen. Sie blieben jedoch Halbheiten, wenn wir vergessen würden, Stätten der Besinnung und Erbauung für den inneren Menschen zu schaffen. Aller äußerer Wohlstand kann schließlich nur Rahmen sein für die Gestaltung des menschlichen Lebens. Hierbei aber wird es eben um den inneren Gehalt des Lebens gehen.
Die neue Johanneskirche soll das Ihre dazu beitragen, den Bewohnern dieses Stadtbezirks die Stätte der inneren Einkehr zu geben. Wir können nur hoffen, daß sie gerade insofern ihre schöne Aufgabe erfüllt.
Die Kirche bringt einen neuen erfreulichen Akzent in unser Stadtbild, möge sie aber vor allem mithelfen, den Menschen unserer geschäftigen Zeit sich des eigentlichen Sinnes ihres Erdendaseins bewußt werden zu lassen.
Dr. Muhs
Oberbürgermeister
Unsere Kirche - tote Steine oder lebendige Christen?
In der Kirche werden wir durch Wort und Sakrament im Glauben und in der Liebe gestärkt und zu brüderlicher Gemeinschaft mit den Christen aller Länder verbunden. (Evangelischer Katechismus von 1962)
Während unsere Kirche gebaut wurde, hing in den Fenstern des davorliegenden Gemeindehauses ein großes Plakat mit der Aufschrift "Indien hungert — Brot für die Welt". Zwei junge Männer stehen davor, sie lesen die Worte, einer von ihnen bemerkt dazu: "Und die bauen für Millionen Mark eine neue Kirche! Gleichzeitig verhungern anderswo Menschen." Hat er recht damit, wenn er uns das zum Vorwurf macht?
In einem Gedicht, das wir früher in der Schule lernten, heißt es: Viel Steine gab's und wenig Brot. Trifft das für die Kirche zu? Viel Steine, rege Bautätigkeit, steinerne Herzen, wenig Liebe, wenig "Brot für die Welt"?
Der obenstehende Satz aus dem neuen Katechismus der Rheinischen Kirche meint mit dem Wort "Kirche" sicher zunächst die christliche Gemeinde aus lebendigen Menschen, aber das Kirchengebäude ist doch wohl mitgemeint. Die Gemeinde kommt zusammen, um auf die Predigt des Wortes Gottes zu hören, zu taufen und Abendmahl zu feiern. Dafür braucht sie einen Raum. Der Saal,im Gemeindehaus war wirklich zu klein geworden. So hat sich das Presbyterium zum Bau der Kirche entschlossen. War das richtig?
Das werden diejenigen bestreiten, die den sonntäglichen Gottesdienst für überflüssig halten. Es sei hier ausdrücklich mit Dank vermerkt, daß uns viele Gemeindeglieder durch das Zahlen ihrer Kirchensteuer diesen Bau ermöglicht haben, obwohl sie selber nicht die Kirche besuchen. Sind sie mit der Verwendung der von ihnen gegebenen Gelder einverstanden? Warum ist nach unserer Meinung Gottesdienst nötig?
Der Katechismus sagt: Durch Wort und Sakrament werden wir im Glauben und in der Liebe gestärkt. Wir haben es offenbar nötig, darin gestärkt zu werden. Der Gottesdienst ist also nicht dazu da, daß wir unsere Frömmigkeit zur Schau stellen. Eine so gute Figur geben wir gar nicht ab! Wir sind schwach im Glauben und in der Liebe, meint der Katechismus, wir brauchen Stärkung.
Diese Stärkung soll uns durch Wort und Sakrament zuteil werden. Wort und Sakrament werden hier sehr hoch eingeschätzt. Eine große Erwartung ist mit ihnen verbunden. Können wir diese Erwartung teilen? Worte scheinen uns oft so kraftlos zu sein, auch kirchliche Worte. Aber das muß an uns liegen. Wir sind offenbar so schwerfällig und kraftlos im Hören und Weitersagen des Wortes Gottes. Wir können darüber nur beten, Gott möchte mit seiner Kraft all unsere Schwäche überwinden. Zu solchem Gebet wollen wir zusammenkommen in der Kirche.
Wir haben damit zu rechnen, daß dann auch etwas geschieht. Menschen werden im Glauben und in der Liebe gestärkt. Es entsteht brüderliche Gemeinschaft auch mit den Menschen anderer Länder. Den Hungernden wird geholfen.
Haben wir recht daran getan, diese neue Kirche für viel Geld zu bauen? Wir sollen uns die Antwort nicht zu leicht machen. Wenn der Bau aus Stein Gleichnis unserer Herzen ist und bleibt, ist es umsonst, daß wir gebaut haben. "Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen" (Psalm 127). Aber nun bitten wir, daß Gott seinen Segen dazu gibt. Dieser Segen wird dann nicht innerhalb der Kirchenmauern bleiben. Sonst wäre die Kirche nur ein Grab! Der Segen Gottes will hinaus in unsere Häuser, in unser Land, in die weite Welt, so weit, daß sogar die Hungernden in Indien etwas davon verspüren.
Pfarrer H. Goedeking
Wie es zum Bau der Johanneskirche kam
Im Jahre 1950 mußte sich das Presbyterium der Gemeinde in Bad Kreuznach mit der Frage beschäftigen: "Was können oder müssen wir im Süden der Stadt tun".
Die Bevölkerung im Süden der Stadt wuchs stark an. Die Konfirmandenzahlen im 1. und 2. Bezirk wuchsen mit. Hinzu kam, daß die einzige Stätte der Sammlung im Süden bedroht war. Seit 1930 bestand in Herlesweiden, heute Ulmenweg, in einem kleinen Gagfahhaus ein Bibelstundenkreis. Dort wurde von Frl. Thumm auch seit 1940 Kindergottesdienst gehalten. Die beiden Damen Thumm waren aber kränklich geworden, so daß sie um Entlastung baten.
Das Presbyterium wollte einen 5. Pfarrer berufen, dazu mußte eine Pfarrwohnung und ein gottesdienstlicher Raum beschafft werden. Nachdem vom Landeskirchenamt ein Seelsorgebezirk genehmigt war, verkaufte Frl. Thumm den einen Teil ihres Doppelhauses. Dieses Haus sollte die Wohnung für den Hilfsprediger werden. Der Seelsorgebezirk, der damals entstand, hatte zum Teil die Grenzen des jetzigen 1. Pfarrbezirkes der Johanneskirchengemeinde, Bösgrunderweg, Bühlerweg, Friedhof. Während heute die Alzeyer Straße die Grenze des 1. Bezirkes ist, umfaßte damals der Bezirk das ganze Gebiet vom Korellengarten.
Ein gottesdienstlicher Raum wurde nicht gefunden. Kindergottesdienst und Pfarrunterricht wurden in der Ringstraßenschule gehalten. Bibelstunde, Frauenhilfe, Männerkreis, Kindergottesdiensthelferkreis waren seit Frühjahr 1951 in der Wohnung des Hilfspredigers. 1956 stellte Frl. Hill ein Zimmer für die Gemeinde zur Verfügung. Alle Bemühungen um eine Notkirche waren ergebnislos.
Im Januar 1952 bot Herr Architekt Schneider als Stadtrat und im Auftrag des Stadtrates der ev. Gemeinde das Gelände am Ledderhoserweg zum Tausche an. Die Stadt wollte dafür das Trümmergrundstück Gustav-Pfarriusstraße 4 (früher Baumstift) zur Errichtung eines Feuerwehrhauses haben.
Der Vertrag wurde am 31. 7. 1952 unterschrieben. Mancher lächelte damals über die Gemeinde, die, wie man sagte, mitten im Feld eine Kirche bauen wollte. Das Presbyterium dachte an ein Gemeindezentrum mit Kindergarten, Gemeindesaal, Unterrichtsraum und einen Raum für Gottesdienst. Am 30. 4. 1953 wurde die Gem. Siedlungsgesellschaft des Hilfswerkes mit dem Bau des Gemeindezentrums beauftragt. Es stellte sich aber heraus, daß an den Beginn des Baues zunächst nicht gedacht werden konnte, weil der Fluchtlinienplan für dieses Gebiet nicht vorlag. 1954 wurde zur Abrundung ein Grundstück von Farn. Christian Schilling hinzugekauft.
Im gleichen Jahr ging Herr Baurat Pantel, der die Pläne bearbeitet hatte, nach Düsseldorf. Die Umlegung war immer noch nicht abgeschlossen. Daraufhin zog das Presbyterium am 26. 7. 1954 den Auftrag zurück und bat Herrn Architekt Schneider, den Bau durchzuführen. Das geschah in der Hoffnung, daß Herr Schneider nachhalf, die Baugenehmigung bei der Stadt zu erreichen.
Die Vorstellung des Presbyteriums über das Gemeindezentrum wich zunächst weit ab von derjenigen, die das Landeskirchenamt hatte. Am 1. 8. 1957 erteilte das LKA für einen Entwurf die Baugenehmigung. Waisenhaus und Kindergarten waren zurückgestellt.
Nochmals stellten sich zwei Hindernisse in den Weg. Unter dem inzwischen als Weg aufgehobenen Ledderhoserweg verlief eine Wasserleitung. Bei der Bauplanung muß sie überbaut werden. Dazu konnte sich das Presbyterium nicht entschließen.
Durch die Wiederherstellung der Pauluskirche, der Kapelle und die Umgestaltung des großen Saales im Gemeindehaus in der Roßstraße war die finanzielle Kraft der Gemeinde sehr angespannt. Das Presbyterium beschloß, in dem 1. Bauabschnitt zunächst die Kirche zurückzustellen. Am 11. 11. 1957 konnten die Bauarbeiten vergeben werden, nachdem die Stadt die Verlegung der Wasserleitung zugesagt hatte.
Am 18. 1. 1959 wurde um 9.30 Uhr der erste Gottesdienst in unserem Gemeindehaus gehalten. Inzwischen hatte die Straße den Namen Lessingstraße erhalten. Am Nachmittag fand eine Gemeindefeier statt.
Mit diesem Bau war für den Süden der Stadt ein wichtiger Schritt getan. Die Gemeinde hatte Raum für ihr kirchliches Leben. Bald aber wurde deutlich, daß die Kombination des Konfirmanden- und Bibelstundenraumes als "Kirchsaal" nicht ausreichte. Der eine Raum war ja für 40 Konfirmanden, der andere für etwa 40 Personen (Bibelstunde, Frauenhilfe, Männerkreis) gedacht und gebaut.
Am Sonntag kamen aber nun über 100, oft über 200 Menschen zusammen, so daß die Luft unerträglich war. Der Küster hatte viel Arbeit mit dem Umstellen der Tische und Stühle. Alle Kreise, außer denen der Jugend, fanden ja in diesem "Kirchraum" statt. Es war nur gut, daß die Konfirmanden in den Spielraum (Tischtennis) der Jugend ausweichen konnten, und auch hier waren oft genug Umstellungen nötig.
Am schlimmsten war der Platzmangel und die Luftnot im "Kirchsaal". Oft mußten wir zum Gottesdienst ausladen, da niemand die überfüllung des Raumes verantworten konnte.
Nachdem am 18. 2. 1960 der Kirchenbauverein Bad Kreuznach Süd e.V. gegründet war, entschied das Presbyterium endlich am 11. 12. 1961, daß der nächste große Bau der Kirchbau an der Lessingstraße sein sollte.
Während die Planung des neuen Kinderheimes lief, wurde die Planung für die Johanneskirche begonnen. Einig war man sich darin, daß die Kirche, wie sie in der alten Planung von 1958 vorgesehen und vom LKA genehmigt wurde, nicht gebaut werden sollte. In der alten Planung stand die Kirche im rechten Winkel zum Gemeindehaus. Sie sah 500 Plätze vor und hatte die Form eines Rechtecks.
Wir waren uns einig, daß diese Größe nicht der Zahl der Gottesdienstbesucher entsprach. Die Zahl der Sitzplätze wurde auf etwa 300 festgelegt. Bei der Rechteckform der Kirche wurden der Altar und die Kanzel und damit der Pfarrer nicht in die Mitte der Gemeinde genommen. So bot sich ein Fünfeck an, aus dem bei der weiteren Planung ein Quadrat wurde. Um aber auch am Heiligen Abend oder an sonstigen Festtagen größeren Menschenmengen Raum zu bieten, erweiterten wir das Quadrat seitlich durch eine Empore. Unter der Empore wurde ein kleiner Saal vorgesehen, der ebenfalls zur Erweiterung der Kirche dienen kann. So haben wir eine Kirche, die 300, aber auch 500 Gemeindegliedern Platz bieten kann.
Es war nicht leicht, die Wünsche in einer Neuplanung zu berücksichtigen, da man Rücksicht auf das schon erstellte Gemeinde- und Pfarrhaus nehmen mußte. Im Dezember 1962 wurde Herr Architekt Schneider gebeten, einen Entwurf vorzulegen. Am 6. 4. 1964 wurde der Entwurf vom 16. 3. 1964 vom LKA genehmigt.
Am 31. 10. 1964 wurde der erste Spatenstich getan. Schon am 2. 5. 1965 konnten wir den Grundstein legen.
Zur Konfirmation am 20. 3. 1966 luden die beiden Glocken aus der Wilhelmskirche mit zwei neuen vom neuen Turm zum Gottesdienst ein.
Am Erntedankfest, dem 2. 10. 1966, werden sich mit einem Festgottesdienst die Türen der Kirche für die Gemeinde öffnen.
Die Kirche liegt sinnvoll im Zentrum eines Kreises von Gebäuden, Pfarrhaus, Kinderheim, Gemeindehaus mit Schwesternstation und Glockenturm. Alle weisen auf die Kirche hin und alle bekommen von der Kirche her ihren Sinn und ihre Aufgabe.
Für alles aber gilt das Wort Jesu, das in den Grundstein eingemauert wurde:
"Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht."
Pfarrer H. Schmidt
Die Johanneskirche...
...mit ihrem Glockenturm steht in der Grünanlage an der Lessingstraße und ladet über einen Vorhof zur Eingangshalle zum Gottesdienst und zur Andacht ein.
1957 lag bereits ein vom Bauausschuß des Landeskirchenamtes Düsseldorf genehmigter Entwurf von mir für das Gesamt-Bauvorhaben vor, der als Grundlage für den damaligen I.Bauabschnitt (Pfarrhaus und Gemeindehaus mit Küster- und Gemeindeschwesterwohnung) diente. Er wurde Anfang Januar 1959 eingeweiht. Hier sind bis heute auch die Gottesdienste im Gemeindesaal abgehalten worden.
Damals war das Baugebiet für Wohnzwecke noch nicht erschlossen. Wie sieht es heute aus? Das Gemeindezentrum mit seiner Johanneskirche steht im bebauten und erschlossenen Gebiet. Südlich davon steht bereits eine 24klassige Volksschule. Z.Z. werden die Baulücken geschlossen.
Die Monate Januar bis September 1963 waren ausgefüllt mit der Vorplanung. Die genehmigte Planung von 1957 konnte nicht mehr voll beachtet werden, weil das Bauprogramm durch die Schaffung weiterer Räume für die Jugend sich vergrößert hat. Bei den Verhandlungen mit Herrn Oberbaurat Hellwag, Leiter des Bauamtes der Ev. Landeskirche Rheinland, schlug dieser im Herbst 1963 vor, sich mehr der vorhandenen Gebäudegruppe anzupassen und machte den Vorschlag, wie auch heute gebaut wurde, die Kirche durch die Schaffung eines Vorhofes und einer Eingangs- und Verbindungshalle vom bestehenden Gemeindehaus abzusetzen.
Der Zugang der Jugendräume, welche unter dem Gemeindesaal und der Sakristei liegen, ist vom Haupteingang des Gemeindehauses, ohne besondere Treppen ebenerdig möglich und von der Kirche getrennt.
Angeregt durch das vorhandene Bruchsteinmauerwerk (Grauwacke) des Gemeindehauses wurden die Wände des Kirchenraumes und des Gemeindesaales, der sich unter der Empore befindet, innen und außen auch mit Grauwacke-Bruchsteinen von der Mosel und der Eifel, hergestellt.
Die Trag- und Stahlkonstruktion des Daches ist innen sichtbar, so daß eine gute räumliche Gliederung erreicht wurde.
Ich habe mit Absicht große und sichtbare Betonflächen vermieden, um dem Kirchenraum, auch mit der Verwendung von Natur-Holz für die Decken, Emporenbrüstung usw. eine gewisse Wärme und Behaglichkeit zu geben. Die gewählten Materialien werden auch für die Orgel, welche später auf der Empore an der Altarwand errichtet wird, von Vorteil sein.
Für die farbige Kunstverglasung der Fenster und Glastüren wurde ein kleiner Wettbewerb veranstaltet. Hier hat der Glasmaler Henk Schilling, Mülheim/Ruhr, den Auftrag erhalten. Von ihm stammt auch der Entwurf für den Wandteppich von 4,00/5,00 Meter Größe für die Wand hinter dem Altar. Dieser wird von Frau Kliege, Neuß, angefertigt.
Der 1. Spatenstich war am 31. 10. 1964. Die Grundsteinlegung erfolgte am 2. 5. 1965 und das Richtfest für den Rohbau am 3. 11. 1965.
Sämtliche Bauarbeiten wurden von dem heimischen Bauhandwerk geliefert. Die Bestuhlung stammt von den Stuhlfabriken Alsfeld-Türpe G.m.b.H., Alsfeld.
Mitarbeiter bei der Planung waren Dipl.-Ing. Seidel, Bauingenieur Partenheimer und Bauzeichner Lamoth. Die örtliche Bauaufsicht hatte Bauingenieur Partenheimer.
Die Statik für den Stahlbau lieferte Ing. Husch, für die Stahlbetonarbeiten Bauingenieur Partenheimer und für den Turm Bauingenieur Weber, Argenthai.
Es war für uns alle, mit den Bauhandwerkern und Lieferanten, eine große Freude, für die Errichtung der Johanneskirche mitgewirkt zu haben, und gebe Gott, daß durch guten Kirchenbesuch und durch die Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus Christus der Zweck des Bauvorhabens erfüllt werden möchte.
Karl Schneider, Architekt
Zum Namen unserer Kirche:
"Johannes" — "Gott ist gnädig!"
Unser neues Gotteshaus soll den Namen Johanneskirche führen. Damit wird an die mit der Einweihung der Pauluskirche am Peter- und Paulstag, 1781, aufgegriffene Tradition angeknüpft, den in Bad Kreuznach noch zu errichtenden Kirchen die Namen der Glaubenszeugen des Neuen Testamentes zu verleihen. Aus diesem Grunde sind jetzt in unserer Stadt aus der Pauluskirchengemeinde eine Matthäusgemeinde und schließlich unsere Johanneskirchengemeinde entstanden. Eine Markusgemeinde und eine Lukasgemeinde sollen wohl noch werden.
Der Name "Johannes", welcher nunmehr mit unserer neuen Kirche verbunden ist, das soll uns vor allem interessieren, ist hebräischen Ursprungs und heißt ins Deutsche übersetzt: "Gott ist gnädig". Und wenn nach einem alten, lateinischen Wort, nomen est omen, der Träger eines Namens und die Sinndeutung dieses Namens miteinander verwachsen sind, dann hat der Evangelist Johannes, an welchen hier zu denken ist, mit seinem Zeugnis von der Gnade dem mit seinem Rufnamen verbundenen Gottesnamen alle Ehre gemacht. So heißt es im Evangelium nach Johannes: "Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade", Joh. 1, 16. Der Evangelist liebt "das Wahrhaftige", "das Wort", "das Leben", "das Licht". Man mag von einer "Theologie des Johannes" reden, aber tatsächlich gibt es nur eine Leistung, die ihn charakterisiert und die sich in dem kurzen Satz ausspricht: "Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt", 1. Joh. 4, 19.
In der Geschichte der Kirche gibt es neben dem "Apostel der Liebe" noch so manche anderen Träger des Namens "Johannes", welchen zwar nicht die Bedeutung des Apostels zukommt, welche doch hier genannt sein sollen: Johannes der Täufer, Johannes von Damaskus, der Vorläufer der Scholastik, Johannes Chrysostomus, der Prediger mit der goldenen Zunge, Johannes Scotus, Erigena, der Vater der Scholastik, Johannes von Chur, der Gottesfreund, Johannes Calvin, der Reformator von Genf, Johannes XXIII, der Pastor unter den Päpsten und, um auch auf dieses Kuriosum hinzuweisen, Johannes XII., der evangelische Abt von Kloster Loccum, der sonst als Bischof Hans Lilje von Hannover bekannt ist. Diese alle haben mit Wort und Schrift unter ihrem Namen von der Gnade Gottes Zeugnis abgelegt und den Namen Gottes zu Ehren gebracht.
Der Name "Johannes" hat im Lauf der Jahrhunderte, das sei noch erwähnt, bei den verschiedenen Völkern seine volkstümlichen Abwandlungen erlebt. Aus "Johannes" ist bei den Franzosen "Jean", bei den Engländern "John", bei den Amerikanern "Joe", bei den Russen "Iwan" und bei den Deutschen "Hans" geworden. Der Kinderreim aber, welcher in der Deminutivform des Namens "Hans" unsere Kindheitserinnerungen belebt, spricht zwar für seine große Popularität; er sollte uns aber in der Johannesgemeinde nicht davon abhalten, den tiefen Sinn des Namens "Johannes" als Auftrag und als Hinweis auf die evangelische Botschaft zu erfassen, die in unserer neuen Kirche immer wieder zu verkündigen ist: — "Gott ist gnädig" — mit einem Wort — "Johannes" — "Jehohanan".
Pfarrer Erwin Müller
Unsere Kirchenfenster
Schon mit den ersten Plänen für die neue Gottesdienststätte und noch mehr mit dem schnell wachsenden Rohbau ergab sich eine ganz bestimmte Aufgabe für die Gestaltung der Kirchenfenster. Es ging darum, einer "Johannes"- Gemeinde unter besonderer Berücksichtigung der architektonischen Gegebenheiten: der Siebenzahl der Fenster, der wuchtigen Ausführung des Kirchenschiffes und der großflächigen, durch Stahlpfeiler zerschnittenen Altarwand gerecht zu werden.
Von den eingereichten Entwürfen überzeugten am meisten die von Henk Schilling aus Mülheim/Ruhr, der u. a. auch die Fenster der neuen Melanchthon- Kirche in Düsseldorf gestaltet hatte. Sie versprachen, den durch die dunklen schweren Mauern etwas düsteren Bau aufzulockern, ihn zur Altarwand auszurichten und ihn so zu gestalten. Besonders aber waren es die Farben, die überzeugten. Sie würden dem Raum von Süden her ein starkes, warmes, sonnig gelbes Licht schenken.
Henk Schilling, der Künstler, entstammt der Amsterdamer naturalistischen Schule und ist in seiner Arbeit grundsätzlich gegen jede gegenstandslose Gestaltung. Trotzdem finden wir in seinen Arbeiten kaum realistische Darstellungen etwa von Engeln, Teufeln oder "heiligen" Männern. Eine solche Arbeitsweise hält er für unzeitgemäß, weil wir mit diesen Bildern keine Emotionen mehr verbinden können, wie es etwa im Mittelalter der Fall war. Dort erregte das Abbild eines Teufels Schrecken und Angst, und die Gestalt Jesu wirkte in den Herzen der gläubig Schauenden. Wir sind es gewöhnt, anders zu sehen. So arbeitet Henk Schilling immer mehr mit Symbolen, mit Zeichen, die nicht gleich auf den ersten Blick ihre Aussage erkennen lassen. Sie wollen zum Nachdenken anregen und so der Ausgangspunkt eigener Meditation über das gewählte biblische Thema sein. Sie wollen auf ihre Art Mut machen, die Schrift aufzuschlagen und dem Worte nachzugehen, das dort im Zeichen angedeutet ist. Und sie wollen mit ihren kräftigen Farben und ausdrucksvollen Formen den Raum plastisch gestalten. Verfolgt man ihre Linien, so gelangt man mit den Augen zum Mittelpunkt der Altarwand, der durch einen Teppich hinter dem Abendmahlstisch gesetzt ist. Andererseits aber bilden sie ein Gegengewicht zur Schauwand, die durch Altar, Kanzel und Orgel geprägt wird.
Alle diese Gedanken sind zu beachten, wenn wir versuchen wollen, etwas von dem zu verstehen, was uns der Künstler mit seinem Werk sagen will. Das Gesamtthema sah er durch die "Johannes"-Gemeinde und die Siebenzahl der Fenster gegeben: Die sieben Siegel, von denen die Offenbarung des Johannes spricht (Offenb., Kp. 6,1—8,5). Jedes Fenster soll mit wenigen Symbolen etwas von dem hervorheben, was der Seher Johannes von der kommenden Weltgeschichte in Bildern voraussieht, indem das Lamm ein Siegel nach dem anderen auftut. So wird im ersten Fenster, das links von uns liegt, wenn wir vor dem Altar stehen, das Geschehen angedeutet, das sich mit der Öffnung des ersten Siegels ereignet. Eine rote Scheibe oben am Fenster weist auf die Krone (Offenb. 6,2). Von ihr gehen drei weiße Bänder aus, die in ihrer Farbe das weiße Pferd ansagen. Gespannte Bogen in der Mitte berichten von der Aufgabe des sieghaften Reiters mit der Krone: Er wird den Tod bringen.
Das zweite Siegel (Offenb. 6,3) finden wir in dem Fenster, das sich links anschließt. Die feuerrote Farbe des zweiten Pferdes ist unten in einem gleichsam lebenden, brüllendroten Klecks als Gegengewicht zur Krone im ersten Fenster festgehalten. Dem Reiter wird die Aufgabe erteilt, den Frieden zu nehmen und Zerstörung zu bringen. Kalte exakte Mechanismen, gleichsam mechanische Bakterien, dargestellt durch geometrisch gleichförmige Plastikkästen und Formen, marschieren auf die organische Ordnung angedeuteter Knochen und bringen Verderben. Das technisch Exakte zerstört hier organisches Leben.
Die mittlere der drei Eingangstüren versucht das dritte Siegel zu deuten. Der Reiter auf dem schwarzen Pferd mit der Waage ist gleichsam der ruhende Pol. Hier ist alles ausgewogen und wahr, sauber und gerade. An den Rändern freilich zerbröckelt etwas. Darunter und so gegenüber verbreitet das Chaos seine höllische Unruhe: Spitze gezackte Formen in und um einen roten Block. Chaos und Ruhe stehen sich gegenüber. Eine Anordnung, die sich in jedem Fenster wiederholt.
Links daneben das vierte Siegel: Fahle Ungewisse Farben, Grautöne, eine angedeutete Uhr — der Tod. Alles scheint verborgen, man weiß nicht recht, was dahinter steht. Alles ist ein Geheimnis. Ob nach dem Gericht, auf das die Stöcke weisen, die angedeutete Höllenpforte lauert?
Vom Richter spricht auch das fünfte Siegel im rechten Fenster auf der Empore. Auch hier die Stöcke: Ein Gericht zerstört zunächst einmal eine bestimmte Gegebenheit. Ein Urteil ordnet um. Ob gut oder weniger gut, das wird nicht gesagt. Für eine kleine Zeit (wie lange? die Form ist nicht faßbar) ist noch Ruhe für die Seelen der um des Wortes willen Getöteten. Ihnen wird schon jetzt das alles überstrahlende weiße Kleid gereicht.
Erschreckend ist die Ausage des zweiten Fensters daneben als sechstes Siegel. Wie von einem tierischen tintenfischartigen Wesen verschlungen steht die stark geschwächte Sonne über der zerstörten Erde als einer zerbrochenen Eierschale. Die Sphären sind durcheinandergeraten. Kaskadenartig stürzen die Sterne herab. Das Chaos ist hereingebrochen. Wohl die stärkste und ungebrochenste Aussage neben allen anderen Fenstern.
Das siebente Siegel, in der rechten Eingangstür dargestellt, weiß nichts vom Chaos. Vom goldenen Schein der Posaunen und Geräte umgeben, steigen die Gebete der Frommen vom Altar aus einem goldenen Räuchergefäß auf. Sie allein gelangen in die Welt Gottes, die allen anderen gleichsam durch ein Gitter versperrt und tabu ist.
Ob wir es auch so sehen werden? Ich glaube nicht. Das liegt auch nicht in der Absicht des Künstlers. Er will die Tür nicht ganz öffnen und uns vor eine triviale Aussage stellen. Er läßt uns durch einen Spalt hindurchschauen. Er gibt uns einige Anhaltspunkte, so daß wir merken: Es soll etwas gesagt werden. Von hier aus gilt es weiterzudenken. Auch der Seher Johannes konnte nur stammelnd und in unzulänglichen menschlichen Worten und Bildern von Gottes Handeln künden, das sich vor seinen Augen in einer alles Denken und Verstehen sprengenden Weise abspielte. Die Fenster unserer Kirche haben dieses Wort aufgenommen und sagen die Botschaft neu in der Sprache des Künstlers mitten in unsere Zeit hinein, indem sie so Zeugnis eines gereiften Glaubens ablegen und uns zur Nachfolge einladen, verkündigen sie uns. Sie sagen uns, daß die ganze Rätselhaftigkeit und der Schrecken einer durch sieben Siegel verschlossenen Weltgeschichte durch das eine Wort Gottes überwunden sind. Das Ziel aller Weltgeschichte ist klar. Es ist von Ostern her, vom Löwe-Lamm (Offenb. 5,5 u. 6) zu sehen. Das in der Kirche gesprochene Wort aber erinnert Sonntag für Sonntag die hoffende Gemeinde an dieses Wunder: Die sieben Siegel sind geöffnet.
Vikar Manfred Pech
Unsere Glocken
Schon seit Anfang des Jahres 1959 rufen uns zwei Glocken von einem provisorischen Holzturm herab zum Gottesdienst in unser Gemeindehaus an der Lessingstraße.
Nach dem Wiederaufbau der Pauluskirche, die ein eigenes Geläut hat, war ihr Dienst in der Wilhelmskirche vorüber, denn die Gemeinde versammelt sich nur noch in der größeren und schöneren Pauluskirche. Als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit der ganzen Stadtgemeinde wurden die beiden Glocken in den Süden gebracht. Dort war neues kirchliches Leben gewachsen.
Fast vier Jahrzehnte lang hatte sie der Turm der Wihelmskirche beherbergt, nachdem sie 1921 vom Bochumer-Verein mit zwei weiteren Glocken für die Pauluskirche gegossen worden waren.
Pfarrer Rosenkranz schreibt in seiner Gemeindegeschichte:
- "Ein langes Glockengedicht von Fräulein Geisenheymer half die nötigen Gaben für vier Gußstahlglocken aus Bochum zu beschaffen. Es war ein festlicher Tag 1922, als "Roll-Hessel" die beiden mächtigen Glocken für die Pauluskirche und die beiden kleineren für die Wilheimskirche vom Güterbahnhof durch die Stadt an ihren Bestimmungsort brachte."
Weniger festlich vollzog sich dann im Schneegestöber der zweite Transport am 16. 12. 1958, begleitet von Herrn Kirchmeister Dr. Taufkirch, von der Wilhelmskirche in die Lessingstraße zu dem dort entstehenden Gemeindezentrum. Hier standen sie dann inmitten des Bauschuttes, bis der Holzturm errichtet war. Die Worte ihrer Inschriften sind Worte vergangener Zeiten:
"IN FRIEDENSZEITEN AUS EDLEM METALL
WARD ICH IM KRIEGE ZU HARTEM STAHL" (fis'-Glocke)
"ICH KÜNDE AUS DEUTSCHLANDS SCHWERER NOT
EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT" (a'-Glocke)
Doch nicht lange sollten sie ihren Ruferdienst tun. Inzwischen war der erste Spatenstich für die Johanneskirche getan, als die beiden Glocken den Baumaschinen weichend wieder auf die Erde und zurück zu ihrem Entstehungsort Bochum mußten. Dort wurden sie überholt und zu einem neuen Vierergeläut vereinigt.
Am 20. März 1966 erschallte zum erstenmal das volle Geläut von dem als weithin sichtbares Zeichen vor dem Gemeindezentrum erbauten Turm.
Mögen wir bei dem Geläut der Glocken ihren Ruf und ihre Mahnung hören, die wir in Kochscher Antiquaschrift formschön vergossen als Inschrift finden:
"O LAND, LAND, LAND, HÖRE DES HERREN WORT" (e'-Glocke)
"GOTT LOBEN, DAS IST UNSER AMT" (h'-Glocke)
Der Kirchenbauverein Bad Kreuznach Süd
Wie eh und je, wo Kirchen gebaut werden, gründen rüstige Gemeindemitglieder unter freundlichem Beistand des Pfarrers und eines Juristen einen "Kirchenbauverein", der bald danach im Sinne des Gesetzes als gemeinnützig in das Vereinsregister des Amtsgerichts eingetragen wird. Nach § 2 der Satzung dient dieser Kirchenbauverein dem Zweck, "die für den Bau eines Gotteshauses im 5. Pfarrbezirk der evangelischen Kirchengemeinde Bad Kreuz- nach notwendigen Mittel ganz oder teilweise durch Beiträge oder Spenden seiner Mitglieder oder sonstiger Förderer aufzubringen oder dieserhalb auf- genommene Darlehen zu tilgen".
Die Gründung dieses Kirchenbauvereins geschah am 18. 2. 1960. In den seit jener Zeit verflossenen sechs Jahren hat der Vorstand des Vereins in zahl- losen Sitzungen beraten, wie man Mitglieder und Förderer der Sache gewin- nen könnte und — teils mit großem, teils geringerem Erfolg — erprobte Wege anderer Kirchenbauvereine eingeschlagen, Mitglieder geworben, Förderer um Spenden angesprochen, Postkarten mit dem etwas blaß geratenen Bild der zukünftigen Kirche zu verkaufen versucht, das Presbyterium gebeten, zu bestimmten Terminen Kollekten zugunsten des Kirchenbauvereins zu genehmigen und hat entsprechende Entschlüsse gefaßt.
Diese Beschlüsse zogen wieder einen Rattenschwanz von anderen Tätigkeiten nach sich. Da waren Aufrufe an Mitglieder und Förderer zu entwerfen und zu besprechen, Druckereien in Arbeit zu setzen, Adressen zusammenzustellen und zu schreiben und Briefumschläge zu falten.
Im Mai jedes Jahres fand bestimmungsgemäß die allgemeine Mitgliederversammlung statt, bein großer verpflichtender Name, der jedoch nicht soviel besagt, wie er verspricht.ei der auch der Fortschritt des Sammeins und Sparens in Zahlen genannt und dem Vorstand Entlastung erteilt wurde. Personen sind im einzelnen nicht zu nennen und zu loben; doch lag die Hauptlast der Arbeit stets beim Schriftführer und Kassenführer.
"Kirchenbauverein!" — das ist Arme Johanneskirche, wenn du allein von den Beiträgen gebaut werden müßtest, die im Rahmen dieses Vereins gesammelt worden sind! Und doch sind es bedeutsame Beiträge, die mehr gelten als die Zahlen besagen; denn es sind freiwillige Spenden. Ob Opfer, das mag dahingestellt sein. Dann wäre der gesammelte Betrag sicher weit größer.
Weise Beschränkung hat das Presbyterium im Verein mit dem Vorstand des Kirchenbauvereins veranlaßt zu bestimmen, daß die im Rahmen des Kirchen- bauvereins gesammelten Beiträge und Spenden in erster Linie dazu dienen sollen, für das neue Gotteshaus eine Orgel zu beschaffen. Für dieses Ziel wird der Kirchenbauverein weiter wie bisher seine Kraft einsetzen.
K. Westermann, 1.Vorsitzender
Die Markuskapelle
Die Johanneskirchengemeinde hat zwei Kirchen. Wo hier in dieser Festschrift so viel zu Ehren der Johanneskirche gesagt wird, soll doch auch der kleinen Markuskapelle gedacht werden. Neben der großen, wuchtigen Johanneskirche könnte man sie fast vergessen, diese kleine, fast wie eine Baracke aussehende Holzkirche. "Versetzbare Kleinkirche" heißt sie offiziell, weil sie später auch einmal an eine andere Stelle versetzt werden kann, je nachdem, wo sie gerade gebraucht wird. Ihr von der Markuskapelle, Ihr mögt euch vorkommen wie der arme Lazarus vor der Tür des reichen Mannes. Wir von der Johanneskirche mögen versucht sein, etwas geringschätzig auf die Markuskapelle herabzuschauen.
Die folgenden Sätze des holländischen Theologen Chr. Hoekendijk waren kürzlich in einer Zeitschrift zu lesen: "Wir sollten statt Kathedralen Kapellen bauen. Kathedralen sind Symbole der stabilen Gesellschaft, Kapellen sind versetzbare Häuser, die man dorthin transportieren kann, wo die Leute leben. Sie sind Symbole einer beweglichen Zeit ... An unseren Kirchen muß deutlich werden, daß die Gemeinde hier keine bleibende Statt hat ... Vielleicht genügt ein einfacher Raum in einem der neuen großen Wohnblocks?" Ihr von der Markuskapelle, seid nicht traurig, weil Ihr noch keine große Kirche habt, sondern seht die Chance, die eure kleine Kapelle bietet: Die christliche Kirche ist in einer bescheidenen Form bei den Menschen, da, wo sie wohnen. Sie versucht nicht, äußerlich zu imponieren, aber sie dient den Menschen mit der Verkündigung von Gottes Wort. Sie mauert sich nicht ein in ein Ghetto, sondern geht hinaus in die Welt mit ihren Nöten und Aufgaben. Sie ist beweglich.
Und wir von der Johanneskirche? In der Bibel steht der Satz von den Ersten, die die Letzten sein werden. Gerade uns mag es gut tun, daß in unserer Gemeinde neben der Johanneskirche die Markuskapelle steht. Sie ist eine Warnung und Mahnung für uns.
H. Goedeking








